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Raj stapelt Ziegel. (Quelle: Josephine Vossen)

Indien: Kinderarbeit in Ziegeleien

Es ist ein schneller Handgriff: Die zehnjährige Koyel wirft eine Handvoll Staub in die schwere, eckige Holzform. Danach greift das Mädchen in einen Berg aus Lehm, seine Hände lösen eine große Ecke ab, schleudern die feuchte, schwere Masse in die Form, streichen den überschüssigen Lehm ab. Dann dreht sie die Form gekonnt um und hebt sie behutsam hoch – fertig ist der Ziegel. Nicht mehr als 20 Sekunden hat Koyel dafür gebraucht. Was so harmlos aussieht beraubt die die rund 600 Mädchen und Jungen, die in der Ziegelei hier in Nirmali im Norden Indiens schuften, ihrer Zukunft. Denn während sie sich morgens um sechs Uhr mit ihrer Ziegelform unter dem Arm auf den Weg zur Arbeit machen, begeben sich Millionen andere indische Kinder auf den Schulweg. Und während die Schulkinder ihre Hefte aufschlagen, pressen sie hier Lehm in ihre Formen – Ziegel für Ziegel für Ziegel.

Fertig mit der Arbeit sind die Kinder erst gegen 18 Uhr, sechs Tage in der Woche. Doch so richtig fertig werden sie eigentlich nie. Denn kaum ist ein Ziegel geformt und in der Sonne getrocknet, wird er zum Brennen abgeholt. Immer wieder bringt jemand neuen Lehm und die Kinder sitzen still dort, formen die Ziegel, die dann abgeholt werden. Ein Ende ist nicht in Sicht. Zumindest nicht, solange Koyel und ihre Familie Ziegel herstellen müssen, um überhaupt etwas zu essen zu haben. Denn wie alle anderen Familien, die in den Ziegeleien arbeiten, lebt Koyels Familie in bitterer Armut. Eintausend Ziegel schafft die gesamte Familie pro Tag und erhält dafür 450 Rupien. Umgerechnet sind das etwa 6,50 Euro.

Folgen der Kinderarbeit

Koyel stellt Ziegel her. (Quelle: Malte Pfau)
Das Heben der feuchten Ziegel belastet die Körper der Mädchen und Jungen.

Die Arbeit in den Ziegeleien hat gravierende Auswirkungen auf das Leben der Kinder. Insbesondere die fehlende Schulausbildung hat Folgen für die Zukunft der Mädchen und Jungen. Denn haben die Kinder keinen Schulabschluss, haben sie als Erwachsene keine Chance auf einen besser bezahlten Job. So werden auch ihre Kinder in der nächsten Generation zum Familieneinkommen beitragen müssen. So bliebe der Teufelskreis der Kinderarbeit geschlossen.
Neben dem fehlenden Schulbesuch und dessen Auswirkung auf die Zukunft der Kinder, leiden die Jungen und Mädchen zusätzlich an den physischen Folgen der Kinderarbeit: Das Heben der feuchten, schweren Ziegel belastet die Gelenke und Knochen der jungen Körper. Zudem ist es auf den Geländen der Ziegeleien sehr staubig. Die Kinder atmen den ganzen Tag über den feinen Staub ein, der sich in ihren Lungen festsetzt.

Wie wir gegen Kinderarbeit helfen

NFE-Zentrum Lagunia (Quelle: Josephine Herschel)
In den Förderzentren werden die Kinder auf Schulniveau gebracht.

Um den Teufelskreis der Kinderarbeit zu durchbrechen, haben wir in der Nähe mehrerer Ziegeleien oder sogar direkt auf deren Gelände Förderzentren für die Kinderarbeiter errichtet. Hier erhalten die Jungen und Mädchen eine Art Nachhilfeunterricht. Denn obwohl viele der Kinder schon zehn Jahre oder älter sind, haben sie noch nie eine Schule besucht. Deswegen hat sich unsere indische Partnerorganisation Gyan Sewa Bharati Sansthan (GSBS) das Ziel gesetzt, die Kinder mit den Förderzentren auf Schulniveau zu bringen und ihnen anschließend einen Platz an einer der umliegenden staatlichen Schulen zu organisieren. Hier können die Mädchen und Jungen einen offiziell anerkannten Schulabschluss machen - ihr Ticket für eine bessere Zukunft.

Wenn Sie als Action!Kidz den Kinderarbeitern in Indien helfen möchten, bestellen Sie unser kostenloses Material und informieren Sie sich unverbindlich über die Kampagne oder melden Sie sich direkt an.